Fortbildungsoffensive KI Berlin
Von Berührungsängsten zu Aha-Momenten: KI-Fortbildungen für den Berliner Schulalltag

Gesellschaftliches Problem
Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag vieler Schüler*innen angekommen. Auch für Lehrkräfte eröffnet sie neue Möglichkeiten: Sie kann bei der Unterrichtsvorbereitung helfen, Materialien differenzieren, Elternkommunikation erleichtern oder bei wiederkehrenden Aufgaben entlasten. Gleichzeitig stehen viele Schulen vor der Frage, wie sie diese Entwicklung pädagogisch einordnen und sinnvoll in ihren Alltag übersetzen können.
Besonders an Grundschulen ist der Fortbildungsbedarf hoch. Viele Lehrkräfte fragen sich: Welche KI-Anwendungen eignen sich für den Unterricht? Wie lassen sie sich verantwortungsvoll nutzen? Wo kann KI tatsächlich entlasten, ohne pädagogische Verantwortung zu ersetzen?
Unser Lösungsansatz
Die Pacemaker Initiative griff diesen Bedarf im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf. Im Rahmen der Fortbildungsoffensive „KI in der Schule“ bot sie Webinare und Studientage direkt an Schulen an.
Die Erfahrungen und Rückmeldungen aus dem Vorjahr flossen dabei in die Weiterentwicklung der Angebote ein. Statt thematischer Wochen setzte das Projekt 2025 auf eine monatliche Taktung. So konnten Lehrkräfte flexibler teilnehmen. Auch die Formate wurden angepasst: Weniger Gruppenarbeitsphasen, mehr gemeinsames Ausprobieren, mehr konkrete Übungen. Die Teilnehmenden sollten KI-Anwendungen direkt testen können, möglichst ohne zusätzliche Accounts anlegen zu müssen. Die Einstiegshürde blieb dadurch bewusst niedrig.
Auch bei den Studientagen vor Ort stand nicht ein festes Standardprogramm im Mittelpunkt, sondern der konkrete Bedarf der jeweiligen Schule. Vorab erhobene Fragen und Themen bildeten die Grundlage für individuelle Tagesprogramme. So konnten die Referent*innen gezielt auf Vorerfahrungen, Unsicherheiten und Herausforderungen der Kollegien eingehen.
Fokus 2025: KI verständlich, praktisch und entlastend machen
2025 stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie können Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal grundlegende KI-Kompetenzen erwerben und direkt im Unterricht oder in schulischen Abläufen anwenden?
Die Fortbildungen reichten von ersten Schritten mit KI über Unterrichtsplanung und Elternarbeit bis hin zu kreativen Ansätzen für die Klassen 3 bis 6 und den Einsatz von KI im Deutschunterricht. Dabei ging es nicht nur um technisches Wissen. Entscheidend war, Berührungsängste abzubauen und Sicherheit im Ausprobieren zu schaffen.
Viele Teilnehmende starteten mit Vorbehalten oder Unsicherheit in die Fortbildungen. Im Verlauf der Angebote zeigte sich jedoch häufig ein Aha-Moment: KI blieb nicht länger ein abstraktes oder problembehaftetes Thema, sondern wurde als Werkzeug greifbar. Ein Werkzeug, das bei Routineaufgaben entlasten und neue pädagogische Möglichkeiten eröffnen kann.
Eine Rückmeldung bringt diesen Wandel besonders klar auf den Punkt: „Ich habe das Gefühl, dass ich mich unbedingt mehr mit dem Thema beschäftigen will und habe die Berührungsangst total verloren.“
Highlights 2025
Im Frühjahr 2025 erreichte die Qualifizierungsmaßnahme rund 820 Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal. Insgesamt fanden 29 Webinare an 20 Terminen statt. Hinzu kamen sechs Studientage an Berliner Schulen. Damit verband das Projekt zwei Zugänge: digitale Reichweite für viele Teilnehmende und intensive Arbeit mit einzelnen Kollegien vor Ort.
Die Nachfrage war deutlich sichtbar. Für die Webinare gingen 751 Anmeldungen ein, 564 Personen nahmen tatsächlich teil. Das entspricht einer Teilnahmequote von 75 Prozent. Die Studientage erreichten weitere 254 Personen. Neben Grundschullehrkräften nahmen auch Lehrkräfte anderer Schulformen sowie weiteres pädagogisches Personal teil. Die Zahlen zeigen, wie breit der Bedarf an praxisnaher Orientierung zum Thema KI inzwischen ist.
Besonders wichtig war der Blick auf den Transfer in den Schulalltag. In der Evaluation zeigte sich: Ein Drittel der Befragten hatte mehr als einen Workshop besucht. Von diesen Personen gaben 55 Prozent an, das neu erworbene Wissen bereits im Alltag anzuwenden. Das deutet darauf hin, dass die Angebote nicht nur Interesse geweckt, sondern erste konkrete Nutzungsschritte angestoßen haben.
- Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal
- rund 820
- im Frühjahr 2025 erreicht
- Webinare
- 29
- an 20 Terminen
- Studientage
- 6
- an Berliner Schulen
- Anmeldungen / Teilnehmende
- 751 / 564
- Teilnahmequote: 75 Prozent
- Personen
- 254
- über die Studientage erreicht
- Transfer in den Schulalltag
- 55 Prozent
- Ein Drittel der Befragten hatte mehr als einen Workshop besucht. Von diesen Personen gaben 55 Prozent an, das neu erworbene Wissen bereits im Alltag anzuwenden.
- Grundschulen / Gemeinschaftsschule / Gymnasium
- 4 / 1 / 1
- Studientage an Berliner Schulen
Auch die Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen, wie wichtig Praxisnähe war.
Eine Person schrieb: „Endlich wieder eine sinnstiftende Fortbildung besucht zu haben, aus der ich etwas für meinen Schulalltag mitnehmen kann.“
Eine andere Rückmeldung lautete: „Alles war super für mich als Anfängerin. Riesiger Wissens- und Könnenszuwachs heute.“
Die Studientage machten besonders sichtbar, wie wertvoll der direkte Kontakt mit den Kollegien ist. An vier Grundschulen, einer Gemeinschaftsschule und einem Gymnasium in Berlin konnten Fragen unmittelbar aufgegriffen und gemeinsam bearbeitet werden. Weil die Bedarfe vorab erhoben wurden, knüpften die Fortbildungen eng an die jeweilige Schulpraxis an.
Ein zentrales Learning aus dem Jahr 2025: Der Zugang zum Thema KI gelingt besonders gut, wenn Fortbildungen klar strukturiert, niedrigschwellig und praxisnah gestaltet sind. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass ein einzelnes Webinar oder ein einzelner Studientag oft nicht ausreicht, um die Anwendung langfristig im Alltag zu verankern. Daraus ergibt sich ein klarer Entwicklungsauftrag: Künftige Qualifizierungsangebote sollten stärker durch Anschlussformate, Nachklapp-Angebote oder Blended-Learning-Elemente ergänzt werden.
Ausblick 2026
Für 2026 ist eine Fortsetzung der Fortbildungsoffensive vorgesehen. Bereits jetzt liegen Anfragen bis weit in das Jahr 2027 vor. Das zeigt, dass der Bedarf an praxisnaher KI-Qualifizierung weiterhin groß ist.
Auf Grundlage der Erfahrungen aus 2025 sollen die Angebote weiterentwickelt werden. Geplant sind stärker differenzierte Formate, mehr Möglichkeiten zur Vertiefung, zusätzliche Begleitung nach den Fortbildungen und eine fortlaufende Anpassung der Inhalte an technische Neuerungen.
Ziel bleibt es, pädagogisches Personal dabei zu unterstützen, KI nicht nur kennenzulernen, sondern sie sicher, reflektiert und entlastend im Schulalltag einzusetzen.