Pacemaker in der Metropolregion Rhein-Neckar

Schulen auf dem Weg in die
Kultur der Digitalität begleiten

Digitale Medien prägen den Alltag junger Menschen, sodass die Ergebnisse von Studien wie ICILS (2023) oder der Shell Jugendstudie (2024) nicht verwundern: Schüler*innen wünschen sich, mehr über Medien zu lernen. Außerschulische Angebote erreichen Schulen und Jugendliche oft nicht. Gleichzeitig sind Lehrkräfte und Schulen zunehmend auf sich allein gestellt, Unterricht und Schulentwicklung neben dem laufenden Schulbetrieb an den Anforderungen einer digital geprägten Lebenswelt auszurichten.

Teilnehmende arbeiten beim Pacemaker-Netzwerktreffen im April 2025 an Gruppentischen.
Netzwerktreffen April 2025

Hier setzt die Pacemaker Initiative in der Metropolregion Rhein-Neckar an. Ziel des zweijährigen Programms ist es, Schulen auf ihrem Weg in eine Kultur der Digitalität zu begleiten, digitale Schulentwicklung gemeinsam mit Lehrkräften, Schüler*innen, Eltern und Schulleitungen voranzubringen und nachhaltige Kooperationen mit externen Partnern aufzubauen. Dabei geht es nicht nur um den strategischen Einsatz digitaler Werkzeuge, sondern um die Frage, wie Schulen Lernumgebungen schaffen können, die Selbstständigkeit, Beteiligung und zeitgemäße Kompetenzen fördern.

Im Jahr 2025 lag der Schwerpunkt darauf, Schulentwicklungsprozesse gezielt anzustoßen und zu fokussieren. Gemeinsam mit sechs Schulen haben wir je drei Ziele für die digitale Schulentwicklung geschärft, Entwicklungsprozesse im Kollegium begleitet und Kooperationen mit externen Partnern systematisch aufgebaut.

Anschließend an die Auftakte in den Schulen fand das erste Netzwerktreffen in Präsenz zum Thema Organisation und Struktur mit den Steuergruppen aller Projektschulen der laufenden sowie der vorherigen Projektrunde statt. Die Beteiligten nahmen Impulse zu Change Management sowie konkrete Praxisideen mit und verließen die Veranstaltung vor allem motiviert, inspiriert und zufrieden (siehe Abbildung 1).

Ein Meinungsbild zeigt, dass die Teilnehmenden das Netzwerktreffen vor allem motiviert, inspiriert und zufrieden verließen.
Ein Diagramm zeigt die Rückmeldungen zu den Wirkungszielen des ersten Präsenz-Netzwerktreffens 2025.
Abbildung 1. Rückmeldungen bzgl. der Wirkungsziele für das erste Präsenz-Netzwerktreffen 2025 (N= 32)

An einigen Schulen verzeichneten wir bereits zu Beginn sichtbare Veränderungen: Eine Schule führte Lerninseln mit neuen Raumstrukturen und erweiterten Freiheitsgraden für Schüler*innen ein und optimiert diese laufend, eine andere führte digitale Klassenbücher ein und zwei weitere Schulen führten Kommunikationsnachmittage als feste Austauschformate ein. Mehrere Schulen setzten Medien- und iPad-Nutzungskonzepte auf sowie entwickelten Spiralcurricula zur Förderung von Selbstregulation. Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz gewann an allen Projektschulen an Bedeutung. Schulen erarbeiteten Handlungsleitfäden und setzten sich in Fortbildungen mit den Möglichkeiten und Grenzen von KI auseinander. Aus den Rückmeldungen wurde sichtbar, dass die Offenheit gegenüber digitalen Medien gewachsen ist und digitale Werkzeuge zunehmend als Unterstützung für selbstreguliertes Lernen verstanden werden.

Ein wichtiger Baustein waren die Fortbildungs- und Vernetzungsangebote des Programms. Über Barcamps, Pädagogische Tage und Cluster Coachings erreichte die Pacemaker Initiative insgesamt 235 Lehrkräfte. Für von unseren Mitarbeitenden konzipierte und moderierte schulinterne Fortbildungstage liegen Rückmeldungen von 171 Teilnehmenden zu den formatspezifisch gesetzten Wirkungszielen vor (siehe Abbildung 2). Auf der eingesetzten Zehn-Punkte-Skala fiel besonders der Ideentransfer hoch aus: Die Aussage „Heute habe ich eine Idee mitgenommen, die ich ausprobieren möchte“ erreichte im Durchschnitt 8,08 Punkte. Auch die Lust auf mehr unterrichtsbezogenen Austausch mit Kolleg*innen lag mit 7,75 Punkten hoch, der wahrgenommene Lernzuwachs mit 7,41 Punkten ebenfalls deutlich im positiven Bereich. Die Rückmeldungen deuten damit darauf hin, dass die Formate nicht nur Wissen vermittelten, sondern vor allem konkrete Anschlussideen und kollegialen Austausch angeregt haben. In den offenen Rückmeldungen nannten Lehrkräfte insbesondere Anwendungen zur Differenzierung, individuellen Lernbegleitung und Förderung selbstständigen Lernens.

Idee mitgenommen, die ich ausprobieren möchte
8,08 / 10
Guten Austausch mit Kolleg*innen erlebt
8,70 / 10
Lust auf mehr unterrichtsbezogenen Austausch bekommen
7,75 / 10
Gesehen, wie viel Wissen und Kompetenz es im Kollegium gibt
7,71 / 10
Etwas Neues gelernt
7,41 / 10
Eine Infografik fasst fünf Wirkungswerte der schulischen Fortbildungstage zusammen.
Abbildung 2. Wie die schulischen Fortbildungstage (nach)wirken. N=127-171, zehnstufige Skala
Ein Moderator spricht bei einem Barcamp beziehungsweise Pädagogischen Tag in Pfingstberg mit Lehrkräften.
Barcamp/Päd. Tag Pfingstberg

Gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern weiter ausgebaut. Fünf Schulen bereiteten eine Kooperation mit dem TUMO-Zentrum vor. Ein besonderer Meilenstein war der erste TUMO-Schnuppertag, bei dem 42 Schüler*innen aus zwei Schulklassen einer Schule das Zentrum kennenlernen und die Angebote erstmals selbst ausprobieren konnten. Ein Netzwerktreffen zum Thema selbstgesteuertes Lernen ergänzte dies. Für viele Schulen ist TUMO zu einem konkreten Beispiel dafür geworden, wie selbstorganisiertes Lernen gestaltet werden kann.

Ein Referent gibt Teilnehmenden beim Netzwerktreffen von Pacemaker und TUMO einen Einblick in die Lernangebote.
Netzwerktreffen Pacemaker x TUMO
Schüler*innen und Erwachsene arbeiten gemeinsam an einem Tisch im TUMO-Zentrum.
Ein Schüler mit Brille tauscht sich bei einem TUMO-Barcamp aus.
Schüler*innen arbeiten bei einem TUMO-Barcamp an digitalen Arbeitsplätzen.

Wie wirksam gemeinsame Schulentwicklung sein kann, zeigte sich exemplarisch an der Paul-Gillet-Schule. Nach ersten Prozessberatungsgesprächen berichtete die Schule von einer spürbar verbesserten Zusammenarbeit verschiedener Lager im Kollegium. Gemeinsam entwickelten sie ein Konzept zum Umgang mit iPads, das sich an einem Führerscheinmodell orientiert. Das Beispiel verdeutlicht, dass digitale Schulentwicklung nicht allein von technischen Lösungen abhängt, sondern vor allem von gelingender Zusammenarbeit innerhalb der Schule.

Im Projektverlauf wurde zugleich deutlich, dass digitale Schulentwicklung immer im Spannungsfeld weiterer schulischer Herausforderungen stattfindet. Nicht an allen Schulen konnte die Arbeit an den vereinbarten Zielen kontinuierlich verfolgt werden, da akute Themen häufig Vorrang erhielten. Als Reaktion darauf verteilten die Teams in den Beratungsgesprächen Aufgaben auf mehrere Lehrkräfte, um mehr Verbindlichkeit zu schaffen und die Entwicklungsziele langfristig im Blick zu behalten. Ein weiteres Learning war, dass Schüler*innen insbesondere dort wichtige Impulsgeber sein können, wo Veränderungen im Kollegium zunächst auf Zurückhaltung stoßen.

Das Programm läuft noch bis September 2026. Geplant sind weitere Kooperationen mit der Hacker School und dem TUMO-Zentrum, Prozessberatungen, Workshops mit Schüler*innen sowie die letzten Treffen der Cluster Coachings. Darüber hinaus werden die Erfahrungen der beteiligten Schulen ausgewertet und in neue Unterstützungsangebote überführt. Für Schulen in der Metropolregion Rhein-Neckar entstehen praxisnahe Module zu Themen wie Künstliche Intelligenz, Medienprävention, Kooperation, selbstgesteuertem Lernen oder datenbasierter Schulentwicklung. Ergänzend werden bundesweit nutzbare Materialien entwickelt, die Schulen dabei unterstützen sollen, digitale Schulentwicklung eigenständig und partizipativ weiterzuentwickeln.