SKILLS
Schulen nutzen KI für Lesen, Literarisches Lernen und Schreiben

Gesellschaftliches Problem
Viele Kinder verlassen die Grundschule mit unzureichenden Lese- und Schreibkompetenzen. Aktuelle Studien zeigen, dass rund ein Viertel der Viertklässler*innen in Deutschland die grundlegenden Anforderungen im Lesen nicht erreicht.[1] Auch im Schreiben bestehen erhebliche Defizite. Dies erschwert nicht nur den weiteren Bildungserfolg, sondern beeinträchtigt langfristig gesellschaftliche Teilhabe, berufliche Perspektiven und die Fähigkeit, Informationen kritisch einzuordnen.
Für Grundschulen ist diese Aufgabe besonders herausfordernd. Klassen werden heterogener, Lernstände unterscheiden sich stark und gleichzeitig fehlt an vielen Schulen Personal. Lehrkräfte müssen Kinder gezielt fördern, obwohl Zeit, Ressourcen und diagnostische Grundlagen im Schulalltag häufig knapp sind.
Gleichzeitig eröffnet Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten für individuelles Lernen und kreative Zugänge zu Sprache und Literatur. Viele Schulen stehen jedoch noch vor der Aufgabe, diese Potenziale pädagogisch sinnvoll zu nutzen und in den Unterricht zu integrieren.
[1] Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU), 2021, und IQB-Bildungstrend für die Primarstufe, 2021
Unser Lösungsansatz
Mit SKILLS, kurz für „Schulen nutzen KI für Lesen, literarisches Lernen und Schreiben“, entwickelt und erprobt EDUCATION Y gemeinsam mit Wissenschaftler*innen der Friedrich-Schiller-Universität Jena Unterrichtsmethoden und Schulentwicklungskonzepte für Grundschulen. Das Projekt verbindet die Förderung von Lesen, Schreiben und literarischem Lernen mit einem reflektierten Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Es ist auf drei Jahre angelegt und wird an zwölf Grundschulen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen umgesetzt. EDUCATION Y verantwortet die Schulbegleitung an den Schulen in Nordrhein-Westfalen (sechs Schulen) und Rheinland-Pfalz (drei Schulen).
Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Fortbildungen für Lehrkräfte. Sie verbinden fachliche Inhalte aus der Lese- und Schreibförderung mit KI-bezogenen Kompetenzen. Das erworbene Wissen wird anschließend direkt im Unterricht erprobt, begleitet durch das Projektteam. So sollen Hemmschwellen abgebaut und Lehrkräfte ermutigt werden, didaktische und technologische Innovationen regelmäßig und fachlich adäquat einzusetzen, um sie anschließend aus Selbstüberzeugung in ihre Kollegien weiterzutragen.
Ergänzend unterstützt das Projekt Schulen dabei, den Einsatz der KI-gestützten Methoden in ihrer Schulentwicklung zu verankern. Der Austausch zwischen Schulen und Lehrkräften schafft zusätzliche Lernräume und fördert die gemeinsame Weiterentwicklung wirksamer Ansätze für den Unterricht. Durch die wissenschaftliche Begleitung des Projektes im Rahmen von Lehrkräfteevaluationen und Diagnostikauswertungen lassen sich datengestützte Erkenntnisse auf Ebene der Lehrkräfte und der Schüler*innen gewinnen.
Das Projekt wird gefördert von der Auridis Stiftung und der Victor Rolff Stiftung.
Was war der Fokus des Projekts im Jahr 2025?
2025 stand bei SKILLS der Aufbau des Projekts im Mittelpunkt. Neben der Konzeption des Vorhabens wurden Kontakte zur Bildungsadministration in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen aufgebaut und zwölf Projektschulen für die Zusammenarbeit gewonnen. Mit einer gemeinsamen Netzwerkveranstaltung wurde das Projekt mit schulischen und außerschulischen Akteur*innen offiziell eröffnet und inhaltlich ausgerichtet.
Parallel begann die praktische Umsetzung: Die fortlaufende Diagnostik der Lese- und Schreibkompetenzen der Schülerinnen mit dem Tool KOMPASS wurde eingeführt. Die erste Fortbildungsveranstaltung nahm die Lautleseverfahren in den Blick und zeigte Möglichkeiten der KI-Unterstützung zur Vorbereitung und Umsetzung der Methoden auf. Die teilnehmenden Schulen überführten die Impulse in der anschließenden Erprobungsphase in die Praxis und begannen, Erkenntnisse innerhalb ihrer Kollegien zu teilen.
Damit lag der Schwerpunkt des ersten Projektjahres auf drei miteinander verbundenen Aufgaben: ein gemeinsames Verständnis für die Ziele von SKILLS zu entwickeln, erste Methoden im Unterricht zu erproben und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Diagnostik, Leseförderung und KI-gestützte Materialien schrittweise Teil schulischer Entwicklungsprozesse werden können.
Highlights 2025
Mit zwölf Projektschulen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen ist SKILLS erfolgreich in die erste Projektphase gestartet. Den Auftakt bildete eine gemeinsame Netzwerkveranstaltung, an der 34 Lehrkräfte sowie 14 Vertreter*innen der fördernden Stiftungen, der beteiligten Organisationen sowie der Bildungsadministration teilnahmen. Die Auftaktveranstaltung schuf einen gemeinsamen Rahmen für die Zusammenarbeit und machte deutlich, auf welches Interesse die Verbindung von Lese- und Schreibförderung und Künstlicher Intelligenz trifft. Zugleich wurde sichtbar, dass der schulübergreifende Erfahrungsaustausch von den Teilnehmenden als besonders gewinnbringend wahrgenommen wurde.
In Auftaktgesprächen mit den schulischen Fokusgruppen wurden erste Bedarfe, Erwartungen und Herausforderungen sichtbar. Die Rückmeldungen der Lehrkräfte zu den ersten Kontaktpunkten mit dem Projektteam fielen durchgehend positiv aus. Formulierungen wie „passgenau“, „anschaulich“ und „macht Lust auf mehr“ verdeutlichten die Offenheit gegenüber dem Projekt und seinen Zielen. Insgesamt haben 42 Lehrkräfte an den Auftaktgesprächen teilgenommen.
Formulierungen wie „passgenau“, „anschaulich“ und „macht Lust auf mehr“
- Projektschulen
- zwölf
- Lehrkräfte bei der Netzwerkveranstaltung
- 34
- Vertreter*innen der fördernden Stiftungen, der beteiligten Organisationen sowie der Bildungsadministration
- 14
- Lehrkräfte in Auftaktgesprächen
- 42
Besonders sichtbar wurde im Verlauf des Jahres, dass viele Lehrkräfte zunehmend Sicherheit im Umgang mit KI-Anwendungen gewannen. Zahlreiche Teilnehmende erprobten die vorgestellten Methoden im Unterricht und berichteten von positiven Reaktionen ihrer Schülerinnen auf die neuen Materialien und Arbeitsformen. In einigen Erprobungen wurden auch Schülerinnen erreicht, denen im Lesen häufig die Motivation fehlt. An einzelnen Schulen fanden die Ansätze bereits Eingang in schulische Entwicklungsprozesse und wurden über die eigentlichen Projektgruppen hinaus weitergegeben. Die Rückmeldungen deuten darauf hin, dass die Verbindung aus methodischer Leseförderung und neuen Materialien Zugänge eröffnen kann, die im regulären Unterricht nicht immer entstehen.
Ein weiterer Meilenstein war die Einführung der Diagnostikplattform KOMPASS. In allen drei Bundesländern wurden die Schulen in die Nutzung eingeführt und erste Diagnostiken durchgeführt. Die gewonnenen Erfahrungen führten zugleich zu wichtigen Weiterentwicklungen der Plattform und der Unterstützungsangebote. Sichtbar wurde dabei auch, wie unterschiedlich die technischen Voraussetzungen an Schulen sind und wie wichtig eine enge Begleitung bei der Umsetzung digitaler Innovationen bleibt.
In jedem der drei Bundesländer fanden zwei Fortbildungen zur Leseförderung mithilfe von KI statt. Die ersten Unterrichtserprobungen zeigten, dass die hier vorgestellten Methoden von den Lehrkräften als praxisnah und umsetzbar wahrgenommen wurden. An einzelnen Schulen wurden die Inhalte bereits über die Projektgruppen hinaus in die Kollegien getragen und damit erste Schritte zur Verstetigung angestoßen.
Deutlich wurde in der Phase der Projektstarts, dass datenschutzrechtliche Anforderungen, technische Ausstattung und schulische Rahmenbedingungen maßgeblich beeinflussen, wie schnell Innovationen in der Praxis ankommen. Auch ergab sich die Erkenntnis, dass die Einführung neuer Praktiken und Tools, in diesem Fall die Durchführung der Lesediagnostik, teilweise eine enge Begleitung sowie mehr Zeit und Ressourcen erfordert als ursprünglich angenommen. Die technischen Voraussetzungen und die digitalen Kompetenzen der Lehrkräfte unterscheiden sich zudem von Schule zu Schule stark.
Das SKILLS-Projekt stieß auch über das Projektnetzwerk hinaus auf Interesse. Auf der Konferenz Bildung Digitalisierung 2025 in Berlin wurde das Projekt einem Fachpublikum aus Wissenschaft, Bildungspraxis und Bildungsverwaltung vorgestellt. Darüber hinaus entstand aus dem Netzwerk eine neue Kooperation für ein Lesebandprojekt im Raum Köln, die über die ursprünglichen Projektschulen hinauswirkt.
Das erste Projektjahr zeigte auch, dass eine weitere Stärke des Projekts in der Zusammenarbeit der beteiligten Partnerinnen liegt. Die Verbindung aus wissenschaftlicher Expertise der Universität Jena, der engen Begleitung der Schulen durch EDUCATION Y und die zielgerichtete Zusammenarbeit mit den Förderpartnerinnen erwies sich als tragfähige Grundlage. Sichtbar wurde: SKILLS lebt nicht nur von einzelnen Methoden, sondern von einem Zusammenspiel aus Unterrichtsentwicklung, Schulentwicklung, technischer Unterstützung und wissenschaftlicher Reflexion.
Ausblick 2026
Die fortlaufende Diagnostik der Lese- und Schreibkompetenzen wird weiter etabliert und technisch kontinuierlich weiterentwickelt, damit die Schulen die gewonnenen Daten zunehmend routiniert für die individuelle Förderung ihrer Schüler*innen nutzen können.
Die Fortbildungen legen den Fokus auf Lesestrategien und deren Verbindung mit KI-gestützten Lernsettings, bevor es im neuen Schuljahr 2026 / 2027 dann um die Förderung der Schreibkompetenzen gehen wird. Gleichzeitig werden die bereits erprobten Methoden weiter in den Unterricht getragen, systematisch reflektiert und schrittweise im Schulalltag verankert.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Wissenstransfer innerhalb der Schulen. Ziel ist es, die bisher beteiligten Lehrkräfte dabei zu unterstützen, ihre Erfahrungen und Erkenntnisse stärker in die Kollegien hineinzutragen und so die Wirkung des Projekts über die unmittelbaren Projektgruppen hinaus zu erweitern.
Darüber hinaus wird das Projektteam Konzepte entwickeln, wie erfolgreiche Ansätze aus SKILLS künftig auch über die beteiligten Projektschulen hinaus nutzbar gemacht werden können. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, die im Projekt gewonnenen Erfahrungen langfristig zu verbreiten und weiteren Schulen zugänglich zu machen.
