Wirkungsbericht zu WIR gestalten Schule

Die Veränderung sind wir gemeinsam

Schüler*innen und Lehrkräfte sitzen in einem WGS-Workshop im Kreis um ausgelegte Bildkarten.

1. Welches spezifische oder lokale Problem adressiert das Projekt?

Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen haben geringere Chancen auf Bildungsabschlüsse und erfolgreiche Übergänge in Ausbildung oder Studium. In Kommunen mit hohem Sozialindex, wie in der Region Ludwigshafen auf die sich dieses Projekt konzentriert, verdichten sich diese Herausforderungen besonders. Schulen in herausfordernden Lagen müssen nicht nur mit Folgen von Armut, Sprachbarrieren und ungleichen Bildungsvoraussetzungen umgehen. Sie arbeiten zugleich unter Bedingungen, die Veränderung erschweren: knappe zeitliche Ressourcen, hohe Belastung im Kollegium und der Druck, trotz schwieriger Rahmenbedingungen verlässliche Lernorte zu bleiben. Unternehmen in der Metropolregion Rhein-Neckar beklagen mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger*innen. Defizite bestehen laut Bericht u. a. in Sprachkompetenz, grundlegenden schulischen Fähigkeiten (Lesen, Schreiben, Rechnen) sowie Selbst- und Sozialkompetenzen wie Zuverlässigkeit, Kommunikationsfähigkeit oder Durchhaltevermögen. Gleichzeitig verlassen mehr Jugendliche die Schule ohne Abschluss oder verlieren den Anschluss im Übergangssystem.

2. Wie antwortet unser Projekt darauf - unser Lösungsansatz

„WIR gestalten Schule“ unterstützt Schulen in herausfordernden Lagen dabei, Veränderung nicht nur als Aufgabe der Schulleitung oder einzelner engagierter Lehrkräfte zu verstehen. Im Zentrum steht ein partizipativer, systemischer Schulentwicklungsprozess, an dem Schüler*innen, Lehrkräfte und Schulleitungen gemeinsam arbeiten. Sie entwickeln Ideen für ihre Schule, setzen Projekte in WGS-Gruppen um und werden dabei über drei Jahre durch EDUCATION Y begleitet.

Konkret setzt das Projekt auf mehrere Bausteine:

  • WGS-Gruppen und Workshops: Schüler*innen und Lehrkräfte entwickeln gemeinsam Ideen zur Schulgestaltung und setzen diese um (z. B. Lernkultur, Teamarbeit, Verstetigung).
  • Reflexionsgespräche: Individuelle Begleitung der Schulen, um Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und passende Lösungen zu entwickeln.
  • Schulleitungscoachings: Unterstützung von Schulleitungen bei Führungsfragen, Belastungen und Innovationsprozessen.
  • Steuerungskreis und Netzwerktreffen: Schulübergreifender Austausch, gemeinsame Problemlösung und gegenseitiges Lernen.

So entsteht ein Rahmen, in dem Beteiligung nicht nur punktuell stattfindet, sondern schrittweise Teil der schulischen Arbeitsweise werden kann. Der Wirkmechanismus des Projekts liegt insbesondere in Partizipation, Selbstwirksamkeit und nachhaltiger Verankerung von Schulentwicklung.

Visualisierte Ergebnisse eines WGS-Workshops mit Begriffen wie Vertrauen, Wertschätzung und Zusammenarbeit.

3. Was war der Fokus des Projekts im Jahr 2025?

Der Schwerpunkt 2025 lag auf Begleitung, Umsetzung und Verstetigung der Schulentwicklungsprozesse. Ein prägendes Thema im Projektjahr war die Frage, wie Beteiligung dauerhaft in Schulen verankert werden kann. In den WGS-Workshops arbeiteten die Schulen deshalb gezielt zu Verstetigung sowie On- und Offboarding. Dabei ging es um eine sehr konkrete Herausforderung: WGS-Gruppen verändern sich, besonders weil Schüler*innen die Schule verlassen oder neu hinzukommen. Damit Wissen, Motivation und Zusammenarbeit nicht an einzelne Personen gebunden bleiben, entwickelten die Gruppen unter anderem Team-Handbücher und Regeln für Übergänge. So wurde ein Grundstein dafür gelegt, die WGS-Gruppen als dauerhaftes schulisches Entwicklungsformat weiterzuführen.

Dabei gab es zwei unterschiedliche Schwerpunkte:

  • Vier bereits länger beteiligte Schulen: Fokus auf Begleitung bestehender Projekte, Verstetigung und nachhaltige Verankerung der WGS-Gruppen.
  • Zwei neu hinzugekommene Schulen: Fokus auf Teamentwicklung und Projektstart, insbesondere Aufbau von positiver Lernkultur und Zusammenarbeit in Teams.

Auch die Netzwerktreffen machten sichtbar, wie Beteiligung konkret aussehen kann. Beim zweiten Netzwerktreffen kamen rund 40 Lehrkräfte und Schülerinnen aus allen sechs Netzwerkschulen in Ludwigshafen zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage: „Wie muss Schule sein, damit ich gerne hingehe?“.

Inhaltlich standen zusammenfassend 2025 besonders diese Themen im Zentrum:

  • Positive Lernkultur & Growth Mindset
  • Teamarbeit und Zusammenarbeit
  • Verstetigung sowie On- und Offboarding-Prozesse
  • Stärkung kollegialer Kooperation
  • Nachhaltige Verankerung der Projektarbeit über die Laufzeit hinaus
Handschriftliche Rückmeldungen von Schüler*innen im WGS-Workshop.
Das WGS-Team bei einem gemeinsamen Treffen.

4. Wichtigste Highlights 2025

Erreichte Ziele:

1. Verstetigung der Schulentwicklungsprozesse

An den länger beteiligten Schulen wurde gezielt daran gearbeitet, WGS-Gruppen langfristig in den Schulalltag zu integrieren. Themen wie Wissenssicherung, Übergaben und Integration neuer Mitglieder wurden systematisch bearbeitet.

2. Erfolgreiche Begleitung neuer Schulen

Zwei neue Schulen wurden erfolgreich in das Programm aufgenommen und durch Workshops zu Lernkultur und Teamarbeit beim Aufbau ihrer WGS-Gruppen begleitet.

3. Schulübergreifende Zusammenarbeit gestärkt

Durch Netzwerktreffen und erstmals schulübergreifendes Schulleitungscoaching entstand ein vertrauensvoller Austausch zwischen Schulen. Besonders das kollegiale Teamcoaching wurde positiv aufgenommen und soll fortgesetzt werden.

4. Bedarfsorientierte Schulentwicklung verbessert

Reflexionsgespräche ermöglichten es, Workshop-Inhalte enger an reale Herausforderungen der Schulen anzupassen.

Aussagekräftige Wirkungszahlen:

Begleitete Schulen im Netzwerk 2025
6

Direkt erreichte Personen (Kernteams):

Schüler*innen in WGS-Gruppen
ca. 55
Lehrkräfte
ca. 289
Mitglieder von Schulleitungen beteiligt
ca. 33

Indirekt erreichte Zielgruppen:

Schüler*innen an den Schulen insgesamt
ca. 2.894
der beteiligten Schulen profitierten indirekt vom Entwicklungsprozess.
sämtliche Lehrkräfte

Formate 2025:

  • 2 Steuerungskreissitzungen
  • 2 Netzwerktreffen
  • zahlreiche WGS-Workshops
  • mehrere Reflexionsgespräche
  • erstmals schulübergreifendes Schulleitungscoaching mit 4 Schulleitungen in 3 Sitzungen.

Netzwerktreffen:

Beim 2. Netzwerktreffen nahmen rund 40 Lehrkräfte und Schüler*innen aller sechs Schulen teil.

5. Zitate:

„Die Gruppe ist stark zusammengewachsen und hat den Wunsch geäußert, diesen Austausch fortzusetzen.“
(Schulleiterin zum schulübergreifenden Schulleitungscoaching)
„Es ist so mega, endlich mal mit reden zu dürfen, was wir an unserer Schule anders machen wollen. Und ich finds auch super, dass wir uns nicht immer an unserer Schule treffen, sondern auch an ganz anderen Schulen mal sein können. Das kann man sonst ja nicht und ich find das total interessant.“
(Schülerin nach einem WGS Workshop)

6. Learnings

1. Verstetigung braucht Struktur

Fluktuation in Schulen – besonders bei Schüler*innen – macht systematische On- und Offboardingprozesse notwendig. Team-Handbücher und strukturierte Übergaben wurden als sinnvoll identifiziert.

2. Kollegiale Kooperation bleibt eine Herausforderung

Die Zwischenbefragung zeigte, dass Kooperation im Kollegium leider weiterhin nur begrenzt ausgeprägt ist. Im Steuerungskreis wurde dies mit hoher Belastung und knappen Ressourcen erklärt. Gleichzeitig entstanden konkrete Ideen, wie Kooperation dennoch gestärkt werden kann.

3. Coaching wirkt – muss aber aktiver beworben werden

Die genutzten Coachingangebote wurden positiv bewertet und teilweise nahezu ausgeschöpft. Gleichzeitig besteht an einigen Schulen weiterhin Unterstützungsbedarf bei der Nutzung – hier soll 2026 gezielter informiert werden.

4. Partizipation stärkt Schulentwicklung

Der gemeinsame Austausch zwischen Schüler*innen und Lehrkräften auf Augenhöhe erwies sich als wertvoller Hebel für Motivation, Zusammenarbeit und konkrete Schulentwicklungsimpulse.

5. Einbindung institutioneller Akteure

Ein Learning des Jahres lag auf der systemischen Ebene. Der Steuerungskreis soll den Austausch zwischen Schulleitungen und zentralen Projektakteurinnen ermöglichen. 2025 wurde deutlich, wie anspruchsvoll es ist, institutionelle Vertreterinnen kontinuierlich an diesen Tisch zu holen. Für die weitere Arbeit schärft das den Blick darauf, dass Verstetigung nicht allein in den Schulen entschieden wird. Sie braucht auch verlässliche Verbindungen zu Verwaltung, Aufsicht, Kommunen und weiteren Partner*innen.

Ausblick 2026

Im Jahr 2026 – dem letzten Projektjahr – liegt der Schwerpunkt deutlich auf Verstetigung, Nachhaltigkeit und Übergang in die Zeit nach Projektende. Ziel ist es, die aufgebauten Strukturen so zu verankern, dass die angestoßenen Schulentwicklungsprozesse auch ohne externe Begleitung langfristig weiterwirken. Insbesondere sollen die WGS-Teams als feste Steuergruppen an den Schulen etabliert und die entwickelten Haltungen, Arbeitsweisen und Beteiligungsstrukturen nachhaltig gesichert werden.

Inhaltlich stehen 2026 Workshops zur Verstetigung, Evaluation und zum „kompetenten Scheitern“ im Mittelpunkt. Schulen sollen ihre bisherigen Entwicklungen reflektieren, Wirkungen sichtbar machen und eine konstruktive Lern- und Fehlerkultur weiter stärken. Gleichzeitig wird Raum geschaffen, um gemeinsam auf Erfolge zurückzublicken und Lernprozesse – auch Herausforderungen – bewusst wertzuschätzen.

Ein weiterer Fokus liegt auf dem schulübergreifenden Austausch und der strategischen Verankerung der Ergebnisse. Netzwerktreffen sowie eine Steuerungskreissitzung sollen Schulen dabei unterstützen, voneinander zu lernen und den Übergang nach Projektende vorzubereiten. Den Abschluss bildet eine gemeinsame Veranstaltung im November 2026, bei der zentrale Erkenntnisse gebündelt und Perspektiven für die Weiterführung der Entwicklungen eröffnet werden. Zudem besteht seitens der Schulen bereits der Wunsch nach weiterer Vernetzung über das offizielle Projektende hinaus.